Tag Archives: study pages

Ichsüchtige Motivation

Extrahiert aus The Zen Teaching of Homeless Kodo
English version: Self-Centered Motivation

8524979551_1404b5999b_b

KODO SAWAKI:
Gutes tun kann schlecht sein. Manche Menschen tun Gutes, damit sie selbst gut dastehen.

KOSHO UCHIYAMA:
Nehmen Sie mal an, jemand besucht Leute in Langzeitpflege, bringt Geschenke und sagt: “Ich möchte Ihnen dabei helfen, Krankenpflege zu bekommen und Sie sich so angenehm wie möglich zu erholen.” Dann lässt er sich für ein politisches Amt aufstellen, und sagt während des Wahlkampfs, “Freut mich, Sie kennenzulernen! Ich unterstütze Patienten im ganzen Land. Falls ich gewinne, setze ich mich daran, für Sie bessere Anlagen zu errichten.” Er gewinnt und wird Politiker. Während er daran arbeitet, für Patienten bessere Anlagen zu errichten, nimmt er Schmiergelder und stopft sich die eigenen Taschen voll. Unterstützt er die Patienten, oder nutzt er sie aus? Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich bedaure, dass dies oft der Weg der Gesellschaft ist. Wir sollten uns selbst nach uns selbst beurteilen, als ob wir am Jüngsten Tag alleine vor Gott stünden.

In Japan sind wir zur Zeit von der Regierung enttäuscht, denn es gibt kaum welche, die ihren Reichtum der Politik widmen, so wie in den Meiji und frühen Taisho Zeiten. Jetzt gebrauchen die meisten Politiker ihre politischen Aktivitäten dazu, ihren persönlichen Besitz zu bereichern. Die Religion ist genauso.

Je nachdem, ob wir des persönlichen Profits wegen an Religion glauben, oder unseren gewinnsüchtigen Geist des Glaubens wegen loslassen, ändert sich die Bedeutung unserer Praxis vollkommen. Der Erstere ist ein Ketzer, welcher Gott oder Buddha ausnützt, während der Letztere ein wirklich religiöser Mensch ist. Wenn sich jemand vor Gott oder Buddha niederwirft und andächtig betet, dann ist es von außen unmöglich zu beurteilen, ob sein Glaube echt oder falsch ist. Es hängt davon ab, ob wir Nutzen für uns selber, andere oder den Buddha suchen. Selbst ein Heiliger, welcher von vielen respektiert wird, könnte von subtilen egoistischen Motiven angetrieben sein.

KODO SAWAKI:
Wir müssen alle mit weit offenen Augen über unsere Motivationen nachdenken. Bevor wir es mitkriegen, setzen wir uns in Szene, um unsere Beliebtheit besorgt wie ein Entertainer. Wenn unsere Praxis eine Vorführung für ein Publikum ist, kann sie nicht Buddhadharma sein.

SHOHAKU OKUMURA:
Dieses Kapitel dreht sich wieder um die Verunreinigung in der tiefsten Geisteslage.

Selbst, wenn wir Gutes tun, können wir mit oder ohne Absicht unheilvolles Karma schaffen. Wir müssen unsere Motivation vorsichtig unter die Lupe nehmen. Es ist einfacher, verworrenes Karma zu identifizieren, wenn wir mit unheilvollen Taten andere beunruhigen, als wenn wir versuchen hilfreich zu sein; selbst wenn wir unser schlechtes Benehmen erst nicht erkennen, so werden es uns andere durch ihren Rat, Tadel, Ärger, oder Widerwillen wissen lassen. Aber wenn wir mit unseren guten Taten verworrenes Karma schaffen, dann sind die Leute meistens froh und loben uns, und wir sind unsererseits stolz auf unsere Handlungen. In solchen Fällen kann es sehr schwierig sein, die tiefe und subtile Ichsucht in unserer Gutmütigkeit zu erkennen. Deshalb ist das Praktizieren des Zazen zum Zweck der Reue signifikant. Im Zazen können wir uns nicht vor uns selbst verstecken. Wie es im Kanfugenbosatsugyohokyo steht, “Wer reuig sein will, soll aufrecht sitzen und der wahren Wirklichkeit achtsam sein.”

Als ich in meinen Dreißigern war, unterstützte ich meine Praxis für ein paar Jahre mit Betteln. Ich war der Verwalter in einem kleinen Tempel, saß Zazen, und hielt jeden Monat mit ein paar Leuten ein fünftägiges Sesshin. Ich arbeitete auch daran, Bücher von Dogen Zenji und Uchiyama Roshi vom Japanischen ins Englische zu übersetzen. Ich bettelte ein paar Mal im Monat und bekam kaum genug für Krankenversicherung, Energieversorgung, Telefon und Nahrung.

Während des Bettelns bekam ich manchmal Schuldgefühle. Menschen spendeten Geld, ohne zu wissen, wer ich war, oder was ich tat. Sie vertrauten einfach meinen buddhistischen Roben. Jenen, die mein Leben und meine Praxis unterstützten, keinen Gegendienst leisten zu können, war der Ursprung meines Schuldgefühls. Ihre Leben wurden durch mein Zazen und meine Übersetzung nicht bereichert. Japaner brauchen keine englischen Übersetzungen buddhistischer Texte.

Als ich einmal betteln war, sagte ein etwa zehnjähriger Junge zu mir, “Du willst Geld, nicht wahr?” Diese Frage wurde zu meinem Koan. Ich konnte es nicht verneinen, denn wenn ich bettelte, hoffte ich Geld zur Unterstützung meines Lebens und meiner Praxis zu erhalten. Aber wenn ich wirklich aufs Geld aus war, dann würde ich nicht betteln; ich kannte effizientere und leichtere Methoden, Geld zu machen.

Ich glaubte, ich machte Zazen und Übersetzung um des Dharma willen, und nicht für meinen eigenen Nutzen, aber ich wusste nicht, ob irgendjemand an Zen Texten Interesse haben würde, welche von einem japanischen Praktizierenden, der weder ein Gelehrter noch ein Berufsübersetzer war, ins Englische übersetzt wurden. Ich musste meine Motivation prüfen. War diese Lebensart wirklich für das Dharma, oder diente sie bloß zur Unterstützung von Aktivitäten, die auf meinen persönlichen Vorzügen basierten?

Jetzt, dreißig Jahre später, schätzen einige Leute meine Arbeit, also kann ich behaupten, dass meine damalige Tätigkeit einen Nutzen hatte, aber damals konnte ich das nicht wissen. Im Grunde genommen war meine Veranlassung gemischt: Ich hoffte, meine Arbeit würde von Nutzen sein, und sie gefiel mir. Der springende Punkt ist, dass man seine Motivationen ständig untersuchen muss. Sich selbst zu beurteilen ist sehr schwierig; wir glauben leicht, dass unsere Beweggründe gut sind, und wir können sogar von unseren guten Absichten berauscht werden. Aber im Zazen lassen wir auch diesen Glauben los—dass wir gut sind. Wir tun einfach was wir tun um seiner selbst willen.

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved

Image: “Outstretched Hand” by Sarah Joy. Chalk & charcoal on cardboard [CC-BY-SA 2.0], via Flickr

Nur, wenn wir praktizieren

Extrahiert aus The Zen Teaching of Homeless Kōdō
English version: Only When We Practice

sawaki8

KODO SAWAKI:
Die Religion dient nicht dazu, die äußere Welt zu verändern. Sie dient zur Transformation unserer Augen und Ohren, unserer eingefahrenen Art der Wahrnehmung und des Denkens.

KOSHO UCHIYAMA:
Es gab einen Mann, welcher sich seltsam benahm, wenn er zu viel Sake trank. Wann immer er betrunken war, wollte er über Zazen reden. Als dieser Mensch Antaiji zum ersten Mal besuchte und Sawaki Roshi sprechen wollte, erlaubte ich es, denn ich wusste nichts von seiner Gewohnheit. Was der Mann erzählte, war vollkommen zusammenhangslos; er plapperte einfach nur. Weil ich Sawaki Roshi nicht ermüden wollte, überzeugte ich mit großer Mühe den Besucher, sich zu entfernen.

Als er das nächste Mal kam und Sawaki Roshi sprechen wollte, erinnerte ich mich an den letzten Besuch, und bemerkte an seinem Atem, dass er betrunken war. Ich verweigerte die Besprechung mit Sawaki Roshi und empfing ihn stattdessen selbst. Wieder begann er dieses und jenes über Zazen zu sagen, also sagte ich: “Wenn Sie über Zazen reden möchten, kommen Sie zurück, wenn Sie nüchtern sind. Wenn Sie Zazen sitzen, dann öffnet sich die Welt des Zazen ohne Ihre Worte. Wenn Sie betrunken sind, dann findet alles, was Sie sagen, innerhalb der Welt des Trinkens statt. Alles, was Sie jetzt sagen, ist nur ein Trinkspiel.”

KODO SAWAKI:
Ishikawa Goemon, der berühmte Dieb, dessen Familienname “Steinfluss” bedeutet, sagte in einem Vers, “Selbst wenn die Sande des Strands oder der Steinfluss erschöpft sind, so wird in dieser Welt die Diebessaat nie beseitigt werden. ” Das bedeutet, dass die Diebesnatur das gesamte Universum durchdringt. Und dennoch werden wir nicht zu Dieben, es sei denn wir imitieren Goemon und stehlen. Buddha-Natur durchdringt ebenso das gesamte Universum, aber Sie werden nie ein Buddha, bis Sie den Buddha imitieren und praktizieren. Wir sind nur dann Buddhas, wenn wir die Praxis Buddhas praktizieren.

Religion ist keine Idee. Sie ist etwas, das wir praktizieren. Unsere Religionsausübung muss echt sein. Sie dient nicht als Beweis unserer Rechtschaffenheit.

SHOHAKU OKUMURA:
In seiner ersten Lehre sagte Shakyamuni, er habe den Weg der Mitte gefunden. Dieser Weg der Mitte war der Edle Achtfache Pfad: Rechte Einsicht, rechte Absicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Bemühung, rechte Achtsamkeit und rechte Konzentration. Er lehrte diesen Weg als die letzte der Vier Edlen Wahrheiten – der Weg zur Beendigung von Leid.

An dem Tag, an dem der Buddha ins Nirwana einging, fragte der wandernde Asket Subbadha, “Es gibt unterschiedliche Lehrer der Religion. Sie lehren ihren Schülern verschiedene Lehren. Haben sie alle ihr Verständnis durch ihre eigene Weisheit erlangt, oder hat keiner von ihnen Verständnis, oder haben einige von ihnen Verständnis und andere nicht?”

Der Buddha mahnte Subbhada, sich nicht in metaphysischer Spekulation zu verfangen, sondern in der Wahrheit zu leben. Er sagte, “Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, ob sie alle Verständnis durch ihre eigene Weisheit erlangt haben oder nicht. Wo der Edle Achtfache Pfad nicht gefunden wird, dort gibt es keine erleuchteten Praktizierenden. Wo der Edle Achtfache Pfad gefunden wird, dort gibt es erleuchtete Praktizierende. Würden die Mönche korrekt leben, gäbe es keinen Mangel an erleuchteten Menschen.”

Shakyamuni lehrte, wie man den Weg der Mitte lebt, frei von Extremen der Genusssucht und Kasteiung. Um den Weg der Mitte zu erklären, wurden danach philosophische Systeme in verschiedenen buddhistischen Schulen gegründet. Viele Menschen studierten einfach diese Philosophien, ohne eigentlich den Edlen Achtfachen Pfad zu leben. Solche Menschen sind wie Kassierer, die das Geld anderer Leute zählen.

Über Zazen zu lesen ist dasselbe—wie das Geld anderer Leute zählen, oder Kochrezepte studieren, ohne zu kochen oder zu kosten. Medizin mit Hunderten Nutzen kann uns nicht heilen, wenn wir nur darüber lesen.

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved.

Die Welt aus einem Sarg sehen

Extrahiert aus The Zen Teaching of Homeless Kōdō
English version: Seeing the World from a Casket

114409614_875dcc6818_o

KODO SAWAKI:
Ein Regenschauer
Inmitten eines Streits
Über Bewässerung

Nach einer langen Trockenzeit kämpfen Bauern um Wasser für ihre Reisfelder. Mitten während des Streits kommt ein Regenschauer. Nachdem es keinen anderen Grund für den Streit gibt, verschwindet das Problem, wenn es regnet. Zwischen den Schönen und den Durchschnittlichen wird es keinen Unterschied geben, wenn sie achtzig sind. Die originale Wirklichkeit ist leer und klar.

KOSHO UCHIYAMA:
“Nachdem es keinen anderen Grund für den Streit gibt, verschwindet das Problem, wenn es regnet.” Ich möchte diesen Satz mit Bedacht lesen und seine Bedeutung genießen.

Wenn ich jetzt ausgehe, ist es durchaus möglich, dass ich einen Autounfall habe, welcher sofort mit mir Schluss macht. Diese Art von unerwartetem Tod ist heutzutage wahrscheinlicher als früher. Würde ich von einem Auto niedergefahren, dann würden alle gedanklichen Probleme, wie z.B. “Ich will dieses, ich will jenes”; mein frustrierter Ärger: “Ach . . . dieser Idiot!”; oder meine Sehnsucht nach einer gewissen Frau sich spontan auflösen, so wie der Streit über die Bewässerung sich plötzlich in Luft auflöst, wenn es zu regnen anfängt.

Solange wir leben, werden wir alle möglichen Probleme haben. Das Lebendigsein setzt solche Sorgen voraus. Aber ich glaube, es ist wichtig, sie neu zu betrachten unter der Annahme, dass wir von einem Auto niedergefahren und in einen Sarg gelegt werden könnten. Wir können unseren Geist dafür öffnen, auf gemütlichere Weise zu leben, mit dem Wissen, dass wir in unseren ichsüchtigen Einstellungen nicht mit knirschenden Zähnen und gerunzelter Stirn stecken bleiben müssen.

Kurz gesagt, Zazen bedeutet, die Welt aus dem Sarg zu sehen, ohne mich.

KODO SAWAKI:
Stellt Euch vor, wir schauen auf unsere Leben zurück, nachdem wir sterben. Wir werden so Vieles sehen, das ohne Bedeutung war.

SHOHAKU OKUMURA:
Sawaki Roshi’s Ausdruck “die originale Wirklichkeit ist leer und klar” stammt von “Xinxinming,” dem berühmten Zen Lehrgedicht, welches dem dritten Patriarchen des Zen in China, Sengcan, zugeschrieben wird. Das Gedicht beginnt wie folgt:

Der höchste Weg ist ohne Schwierigkeit, wenn du nicht wählerisch bist. Wo es weder Hass noch Liebe gibt, offenbart er sich als leer und klar.

Während einer schlimmen Trockenzeit können Bauern es nicht vermeiden, wählerisch zu sein. Ihre Felder gehören nicht anderen. Bekommen sie kein Wasser, so stirbt der Reis und es gibt keine Ernte. Im Altertum gab es während Trockenzeiten oft Streit zwischen Dörfern, die am selben Fluss lagen, und zwischen Bauern im eigenen Dorf, um auch nur ein wenig mehr Wasser für ihre Felder zu bekommen. Mitten im Streit verdunkelte sich vielleicht der Himmel und es regnete. Dann hatten die Bauern keinen Grund mehr zu streiten.

Wenn wir das ichsüchtige Urteilsvermögen abschwächen, und ohne von Hass und Liebe angetrieben leben, dann manifestiert sich der höchste Weg jenseits aller Dualität. Und wenn wir die wahre gegenseitig bedingte Wirklichkeit aller Lebewesen sehen, dann können wir uns entspannen und unseren sich anklammernden Geist öffnen. Unser Zazen bedeutet, in unseren eigenen Särgen zu sitzen und die Welt von der Nicht-Dualität, der vollkommenen Vernetzung aus zu sehen.

So wie alle Flüsse ins Meer fließen, so kehren wir nach dem Tod in die Einheit zurück. Tatsächlich leben wir stets innerhalb dieses Meeres, obwohl wir unsere Leben als separat empfinden. Ein japanischer Dichter schrieb von Flüssen, die innerhalb des Meeres fließen: Fluss und Meer sind beide Manifestationen des größeren Wasserkreislaufs. Es hängt von unserer Perspektive ab, ob wir sie als separat oder eins sehen.

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved.

Image by Dino Abatzidis [CC-BY-NC-SA 2.0], via Flickr

Religion bedeutet Leben

Extrahiert aus The Zen Teaching of Homeless Kōdō
English version: Religion is Life

Image by Mark Fischer (CC BY-SA 2.0)

KODO SAWAKI:
Wie wir unsere täglichen Leben leben, muss die Hauptsorge der Religion sein.

KOSHO UCHIYAMA:
Im Fernsehen ist es erlaubt, Szenen mit ausdrücklichem Sex und Verbrechen zu zeigen, einschließlich Mord. Große Poster von nackten Frauen dürfen auf der Straße aufgestellt werden. Obwohl Kinder diese Fernsehsendungen und Poster sehen, sorgen sich nicht viele Leute darum. Währenddessen ist es illegal, in öffentlichen Schulen Religion zu unterrichten. Für mich ist das eine der Mysterien Japans des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Viele glauben, dass “Religion” eine etablierte Sekte bedeutet, Aberglaube, oder Fanatismus. Natürlich stimmt es, dass wenn ein unschuldiges Kind von einseitigen, fixierten Doktrinen beeinflusst wird, dies zu großen Problemen führt. Man kann also sagen, es ist verständlich, dass die Regierung den Religionsunterricht in öffentlichen Schulen verbietet.

Anderseits, wenn Religion bedeutet, über den wichtigsten Aspekt unseres Lebens zu unterrichten — wie wir leben sollen — dann sollten wir uns um die nächste Generation sorgen, welche in einer Gesellschaft ohne Religionsunterricht aufwächst, aber ständig mit Bildern des Sex und der Gewalt konfrontiert wird. Wenn es so weiter geht, dann werden wir erleben, wie die jungen Leute immer destruktiver werden.

Ich hoffe die Zeit wird es geben, wo Religion in der Schule ohne Indoktrination gelehrt wird, aber als Lektion der wichtigsten Frage im Leben: wie man lebt.

KODO SAWAKI:
“Religion” bedeutet, das stets frische Selbst auszuleben, welches von nichts getäuscht werden kann.

Religion darf kein Dogmensystem sein. Religion bedeutet Leben. Religion muss als Leben funktionieren. Sutras verehren genügt nicht. Religion muss sich frei und unerschöpflich in allen Lebensaktivitäten manifestieren, ständig und überall.

SHOHAKU OKUMURA:
Als die Regierung religiöse Institutionen unterstützte und Menschen dazu zwang sie anzunehmen, führte das zu furchtbaren Problemen. Ein Beispiel ist der Shinto-Staat von der Meijizeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn sich politische Macht und religiöse Autorität vereinigen, gibt es keine Freiheit. Ich glaube nicht, dass Uchiyama Roshi so etwas befürwortete.

Wie ich im zweiten Kapitel erwähnte, bedeutet das Wort “Religion” auf Japanisch shukyo. Dieses Wort verwies ursprünglich auf den Buddhismus: die Lehre, oder kyo, über die grundsätzliche Wirklichkeit, oder shu. Sawaki Roshi und Uchiyama Roshi verwendeten das Wort “Religion”, um mehr das Aufwachen zur Wirklichkeit anzudeuten, als ein System des Glaubens und der Anbetung innerhalb einer bestimmten Tradition.

Uchiyama Roshi war der Meinung, dass die wichtigsten Fragen unseres Lebens in den Schulen als Gegenstand “Menschenleben” unterrichtet werden sollten. Er schrieb sogar ein Lehrbuch als Beispiel. In dem Buch bemerkte er:

Wenn es einmal so weit ist, dass in den Schulen “Menschenleben” unterrichtet wird, dann sollte das Wort “Religion” eliminiert werden. Wenn wir das Wort traditionell gebrauchen … entsteht eine seltsame Atmosphäre. Das beruht darauf, dass traditionelle Religionen immer irgendeine Autorität jenseits unseres Verständnis aufstellen, und Menschen dazu zwingen, an gewisse Mythen und Doktrinen zu glauben. Und doch sind in unserem Leben als das Selbst, welches nackt geboren wird und stirbt, grundsätzlich keine solche Autorität und Glaube notwendig. Wir müssen lediglich die Wirklichkeit des Lebens als das Selbst geradeaus sehen und lehren, dieser Wirklichkeit nach zu leben.

Uchiyama Roshis suchen, studieren, und praktizieren waren Wege, das “Selbst” zu erforschen. Er war nicht daran interessiert, ein Gläubiger einer traditionellen Religion zu werden. Auf seiner Suche nach der Wahrheit fand er einige Leute in der buddhistischen Tradition, welche dieselbe Einstellung hatten. Einer davon war der Buddha, welcher sagte “Das Selbst ist das einzige Fundament des Selbst.” Ein anderer war Dogen, welcher sagte “Den Weg Buddhas zu studieren heißt, das Selbst zu studieren.” Sawaki Roshi betonte das Zazen-Praktikum als “die Offenbarung des Selbst durch das Selbst”.

Sein Leben hindurch las Uchiyama Roshi die Bibel, als einen der Wege zur Erforschung des Selbst. In seinen letzten Tagen sagte er, “Ich bin weder Buddhist noch Christ. Ich bin nur, wer ich bin.”

 

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved.

Image by Mark Fischer [CC-BY-SA 2.0], via Flickr

Self-Centered Motivation

An excerpt from The Zen Teaching of Homeless Kōdō

8524979551_1404b5999b_b

KODO SAWAKI:
Doing good can be bad. Some people do good to make themselves look good.

KOSHO UCHIYAMA:
Suppose someone visits people in long-term care with gifts, saying, “I’d like to help you receive medical care and recuperate as comfortably as possible.” Then he runs for political office and during his campaign he says, “Nice to meet you! I’m a supporter of patients throughout the country. If I win, I’ll work to construct better facilities for you.” He wins and becomes a politician. While he works to establish facilities for patients, he takes kickbacks and lines his own pockets. Is he a supporter of the patients or does he prey on them? This is a very delicate question. I regret that this is often the way of society. We should judge ourselves by ourselves, as if we were standing alone before God on Judgment Day.

In Japan right now, we’re disappointed with the government because there’s hardly anyone who devotes their wealth to politics, as in the Meiji and early Taisho eras. Now most politicians use their political activities to increase their personal holdings. Religion’s the same.

Depending whether we believe in religion for personal profit or let go of this gaining mind for the sake of faith, the meaning of our practice changes completely. The former is a heretic who exploits God or Buddha, while the latter is a truly religious person. When someone prostrates before God or Buddha and prays devoutly, it’s impossible to tell from the outside whether his faith is true or false. It depends whether we’re seeking benefit for ourselves, others, or Buddha. Even a holy person respected by many could be driven by a subtly selfish motive.

KODO SAWAKI:
We must all reflect on our motivations with eyes wide open. Somehow before we know it, we’re playing to the gallery, anxious about our popularity like an entertainer. If our practice is a performance for an audience, it cannot be Buddhadharma.

SHOHAKU OKUMURA:
This chapter again addresses defilement in the deepest layer of the mind.

Intentionally or not, we may create unwholesome karma even when doing good. We must carefully examine our motivations. Identifying twisted karma is easier when we take unwholesome actions that disturb others than when we’re trying to help; even if we fail to recognize our bad behavior at the time, other people will let us know through their advice, blame, anger, or dislike. But when we create twisted karma with our good deeds, people are usually happy and praise us, and we in turn are proud of our actions. In these cases, perceiving the deep and subtle self-centeredness within our benevolence can be very difficult. This is why our practice of zazen as repentance is significant. In zazen, we cannot hide from ourselves. As the Kanfugenbosatsugyohokyo says, “If you wish to make repentance, sit upright and be mindful of the true reality.”

For a few years in my thirties, I supported my practice by begging. I lived at a small temple as a caretaker, sat zazen, and had a five-day sesshin each month with a few people. I also worked on translating Dogen Zenji’s and Uchiyama Roshi’s books from Japanese to English. I begged a few times a month, raising barely enough to pay for health insurance, utilities, telephone, and food.

While begging, I sometimes felt guilty. People donated without knowing who I was or what I was doing. They simply trusted my Buddhist robes. The source of my guilt was that I couldn’t do anything in return for those who supported my life and practice. My zazen and translation didn’t contribute anything to their lives. Japanese people don’t need to read English translations of Buddhist texts.

Once when I was begging, a boy about ten said to me, “You want money, don’t you?” This question became my koan. I couldn’t say no because when I begged I hoped to receive money to support my life and practice. But if money were what I really wanted, I wouldn’t beg; I knew more efficient and easier ways to make money.

I believed I was doing zazen and translation for the sake of Dharma, not for my personal benefit, but I didn’t know whether anyone would want to read Zen texts translated into English by a Japanese practitioner who was neither a scholar nor a professional translator. I had to examine my motivation. Was this way of life truly for the Dharma or merely to support activities based on my personal preferences?

Now, thirty years later, some people appreciate my work, so I can say that what I was doing back then had some benefit, but at the time I couldn’t know. Actually my motives were mixed: I hoped my work would benefit people, and I also liked it. The important point is to keep investigating one’s motivations. Judging oneself is very difficult; we easily believe our motives are good, and we can even become intoxicated with our good intentions. But in zazen we let go of that belief too—that we’re good. We just do what we’re doing for its own sake.

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved

Image: “Outstretched Hand” by Sarah Joy. Chalk & charcoal on cardboard [CC-BY-SA 2.0], via Flickr

Only When We Practice

An excerpt from The Zen Teaching of Homeless Kōdō

sawaki8

KODO SAWAKI:
Religion is not for changing the external world. It is for transforming our eyes and ears, our habitual ways of perceiving and thinking.

KOSHO UCHIYAMA:
There was a man who behaved strangely when he drank sake. Whenever he was drunk, he wanted to talk about zazen. When this person visited Antaiji for the first time and said he wanted to talk with Sawaki Roshi, I didn’t know of his habit, so I allowed the meeting. What the man said was totally incoherent; he was simply babbling. Since I didn’t want Sawaki Roshi to get tired, I convinced the visitor to leave, after great effort.

When he came next and asked to meet with Sawaki Roshi, I remembered what had happened the last time and noticed from his breath that he was drunk. I didn’t let him meet with Sawaki Roshi but received him myself. Again, he started to say this and that about zazen, so I said, “If you want to talk about zazen, come back when you’re sober. When you sit zazen, the world of zazen opens itself without your saying anything. When you’re drunk, whatever you say is simply taking place within the world of drinking. Everything you’re saying now is just a drinking game.”

KODO SAWAKI:
Ishikawa Goemon, the famous thief whose family name means “stone river,” said in a verse, “Even if the sands of the beach or the stone river might be exhausted, in this world the seeds of the thief will never be eliminated.” This means that thief-nature permeates the entire universe. And yet we don’t actually become thieves unless we imitate Goemon and steal things. Buddhanature also permeates the entire universe, however you will never become a buddha unless you imitate the Buddha and practice. We are buddhas only when we practice Buddha’s practice.

Religion isn’t an idea. It’s something we practice. 
Our practice of religion must be real. It isn’t evidence of our virtue.

SHOHAKU OKUMURA:
In his first teaching, Shakyamuni said he had found the middle way. This middle way was the Eightfold Noble Path: right view, right thinking, right speech, right action, right livelihood, right effort, right mindfulness, and right meditation. He taught this path as the last of the Four Noble Truths—the path to the cessation of suffering.

On the day Buddha entered nirvana, the wandering ascetic Subbadha asked, “There are various religious teachers. They teach different teachings to their students. Have they all gained knowledge through their own wisdom, or have none of them any knowledge, or do some have knowledge and others do not?”

The Buddha told Subbhada not to get caught in metaphysical speculation, but to live within the truth. He said, “Never mind whether they have all gained knowledge through their own wisdom or not. Where the Eightfold Noble Path is not found, there are no enlightened practitioners. Where the Eightfold Noble Path is found, there are enlightened practitioners. If monks were to live correctly, there would be no lack of enlightened people.”

Shakyamuni taught how to live the middle way, free of extremes of self-indulgence and self-mortification. Then, to explain the middle way, philosophical systems were established in various lineages of Buddhism. Many people simply studied these philosophies without actually living the Eightfold Noble Path. Such people are like bank tellers who count other people’s money.

Reading about zazen is the same—like counting other people’s money or studying recipes without cooking and tasting. Even if a medicine has hundreds of benefits, reading about them won’t cure us.

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved.