Religion bedeutet Leben

Extrahiert aus The Zen Teaching of Homeless Kōdō
English version: Religion is Life

Image by Mark Fischer (CC BY-SA 2.0)

KODO SAWAKI:
Wie wir unsere täglichen Leben leben, muss die Hauptsorge der Religion sein.

KOSHO UCHIYAMA:
Im Fernsehen ist es erlaubt, Szenen mit ausdrücklichem Sex und Verbrechen zu zeigen, einschließlich Mord. Große Poster von nackten Frauen dürfen auf der Straße aufgestellt werden. Obwohl Kinder diese Fernsehsendungen und Poster sehen, sorgen sich nicht viele Leute darum. Währenddessen ist es illegal, in öffentlichen Schulen Religion zu unterrichten. Für mich ist das eine der Mysterien Japans des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Viele glauben, dass “Religion” eine etablierte Sekte bedeutet, Aberglaube, oder Fanatismus. Natürlich stimmt es, dass wenn ein unschuldiges Kind von einseitigen, fixierten Doktrinen beeinflusst wird, dies zu großen Problemen führt. Man kann also sagen, es ist verständlich, dass die Regierung den Religionsunterricht in öffentlichen Schulen verbietet.

Anderseits, wenn Religion bedeutet, über den wichtigsten Aspekt unseres Lebens zu unterrichten — wie wir leben sollen — dann sollten wir uns um die nächste Generation sorgen, welche in einer Gesellschaft ohne Religionsunterricht aufwächst, aber ständig mit Bildern des Sex und der Gewalt konfrontiert wird. Wenn es so weiter geht, dann werden wir erleben, wie die jungen Leute immer destruktiver werden.

Ich hoffe die Zeit wird es geben, wo Religion in der Schule ohne Indoktrination gelehrt wird, aber als Lektion der wichtigsten Frage im Leben: wie man lebt.

KODO SAWAKI:
“Religion” bedeutet, das stets frische Selbst auszuleben, welches von nichts getäuscht werden kann.

Religion darf kein Dogmensystem sein. Religion bedeutet Leben. Religion muss als Leben funktionieren. Sutras verehren genügt nicht. Religion muss sich frei und unerschöpflich in allen Lebensaktivitäten manifestieren, ständig und überall.

SHOHAKU OKUMURA:
Als die Regierung religiöse Institutionen unterstützte und Menschen dazu zwang sie anzunehmen, führte das zu furchtbaren Problemen. Ein Beispiel ist der Shinto-Staat von der Meijizeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn sich politische Macht und religiöse Autorität vereinigen, gibt es keine Freiheit. Ich glaube nicht, dass Uchiyama Roshi so etwas befürwortete.

Wie ich im zweiten Kapitel erwähnte, bedeutet das Wort “Religion” auf Japanisch shukyo. Dieses Wort verwies ursprünglich auf den Buddhismus: die Lehre, oder kyo, über die grundsätzliche Wirklichkeit, oder shu. Sawaki Roshi und Uchiyama Roshi verwendeten das Wort “Religion”, um mehr das Aufwachen zur Wirklichkeit anzudeuten, als ein System des Glaubens und der Anbetung innerhalb einer bestimmten Tradition.

Uchiyama Roshi war der Meinung, dass die wichtigsten Fragen unseres Lebens in den Schulen als Gegenstand “Menschenleben” unterrichtet werden sollten. Er schrieb sogar ein Lehrbuch als Beispiel. In dem Buch bemerkte er:

Wenn es einmal so weit ist, dass in den Schulen “Menschenleben” unterrichtet wird, dann sollte das Wort “Religion” eliminiert werden. Wenn wir das Wort traditionell gebrauchen … entsteht eine seltsame Atmosphäre. Das beruht darauf, dass traditionelle Religionen immer irgendeine Autorität jenseits unseres Verständnis aufstellen, und Menschen dazu zwingen, an gewisse Mythen und Doktrinen zu glauben. Und doch sind in unserem Leben als das Selbst, welches nackt geboren wird und stirbt, grundsätzlich keine solche Autorität und Glaube notwendig. Wir müssen lediglich die Wirklichkeit des Lebens als das Selbst geradeaus sehen und lehren, dieser Wirklichkeit nach zu leben.

Uchiyama Roshis suchen, studieren, und praktizieren waren Wege, das “Selbst” zu erforschen. Er war nicht daran interessiert, ein Gläubiger einer traditionellen Religion zu werden. Auf seiner Suche nach der Wahrheit fand er einige Leute in der buddhistischen Tradition, welche dieselbe Einstellung hatten. Einer davon war der Buddha, welcher sagte “Das Selbst ist das einzige Fundament des Selbst.” Ein anderer war Dogen, welcher sagte “Den Weg Buddhas zu studieren heißt, das Selbst zu studieren.” Sawaki Roshi betonte das Zazen-Praktikum als “die Offenbarung des Selbst durch das Selbst”.

Sein Leben hindurch las Uchiyama Roshi die Bibel, als einen der Wege zur Erforschung des Selbst. In seinen letzten Tagen sagte er, “Ich bin weder Buddhist noch Christ. Ich bin nur, wer ich bin.”

 

© 2014 Shohaku Okumura. All rights reserved.

Image by Mark Fischer [CC-BY-SA 2.0], via Flickr

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